Geschichte

Die evangelische Form der Weihnachtsfeier war mit eine Voraussetzung für die Art Weihnachten zu feiern, die die Krippe in die deutschen Stuben brachte. Fanden die Krippenspiele ursprünglich in den Katholischen Kirchen statt, gab es schon im späten Mittelalter Weihnachtsfeiern der Zünfte, bei denen ein Weihnachtsbaum aufgestellt wurde. Die Verlagerung der Weihnachtsfeiern in die Familie, zunächst nur bei der evangelischen Bevölkerung, wurde ab dem 17. Jahrhundert, beim Adel und in den Patrizier Häusern der Katholiken, das Weihnachtsfest mit einer Krippe aufgewertet.

Der Siegeszug der Krippe allerdings hatte andere Ursachen. Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts hatte alles bekämpft, was nicht rational und real gewesen war. Krippenspiele und Krippen gehörten dazu!

Sie wurden verboten. Das aber traf den Nerv der Bevölkerung, sie begannen selber Krippen zu bauen und stellten diese zu Hause auf, protestierten so gegen das staatliche Verdikt, was man dann wieder zurückgenommen hat. Die Krippe blieb seither in den katholischen Familien ein fester Bestandteil.

In der Schweiz kam der Brauch auch eine Krippe in der guten Stube aufzustellen, erst Ende des 19. Jahunderts, auf. Angeregt von Reisen in die Nachbarländer wie nach Österreich und Süddeutschland.

Durch die wirtschaftliche Not in dieser Zeit, hatten findige Krippenbauer, in der Gegend um Nassereith in Tirol in Steyer und Garsten, die Idee, Halbrelief-Figuren herzustellen. Anfänglich waren es Nagelschmiede, die Modeln  aus Gips und Lehm formten und viele gleiche Figuren und Häuser in Öfen oder in Essen gebrannt haben. So entstanden die berühmten "Loahmmandln" und "Loahmhäuser" (Lehmmännchen, Lehmhäuser) und die einfachen Leute erstanden so ihre eigenen Krippenfiguren und Städte-Landschaften, die sie in den Holzkästen, ausgestattet mit Landschaften aus Naturmaterialien, hineinklebten. Diese so karakteristischen naiven Landschaften, bestanden aus Papiermachè, getrocknetem Moos, Wurzeln und Rinden. Dieser Landschaftsbau wurde dann mit Pulverfarben bemalt. Die teuren Barock und handgeschnitzten Figuren konnte sich das einfache Volk, damals nicht leisten. Daher nannte man diese Krippen auch "Arme Leutekrippen."Der naive Charme begeisterte damals wie heute den Betrachter und erfreut sich grosser Beliebtheit.

Die Auffassung, dass die  Krippe eine naive Form der Volksfrömmigkeit ist, hält sich hartnäckig. Aber sie ist mehr als die volkstümliche Darstellung des Weihnachtsgeschehens. Allzu lange blieb die Fülle der christlichen und vorchristlichen Überlieferung weithin in der Krippe unerkannt. Man tat die Krippe bis heute als eine Form der Heilen Welt ab.

Das Beispiel zeigt, dass die Wurzeln, die man in die Krippe einbaut auch ein Element der Antike ist. Der Baum bedeutet Leben, Wachstum und wurde zur christlichen Offenbarung.
Darauf verweist Otfried Kastner, Verfasser des Buches "die Krippen" und eröffnet damit tiefer liegende Schichten hinter dem gewohnten Bild der volkstümlichen Weihnachtskrippe.

Nun zu den verschiedenen Figuren. Von einigen möchte ich Ihnen gerne mehr erzählen. Die Figuren in der Krippe, wenn auch historisch verfremdet, zeigen unseren gewohnten Lebensraum. Viele Berufe finden sich heute noch, und so mancher Betrachter einer Krippe, findet sich daher wieder.
Nur Maria und Josef tragen immer ein römisch-orientalisches Gewand. Diese Darstellung zeigt uns den Weg nach Bethlehem.
Die Hirten waren früher ein gering geachteter Stand, sie gehörten zu den Aussenseitern. In der "Arme Leutekrippe" findet man fast immer die Hirten vor der Krippe, die reichen Stadttore zeigen sich geschlossen und unerreichbar für die arme Bevölkerung. Eine versteckte, politische Umsetzung, in der Entstehungsgeschichte dieser Krippen. In der beginnende Industrialisierung, strömte die verarmte Landbevölkerung an die Peripherie der Städte. Der Taglöhner wurde geboren und die Armut dieser Menschen, die in den Industrien arbeiteten, legendär. Sie sahen sich als die neuen Hirten.

Die Magier die vom Morgenland kamen und Sterndeuter waren, wurden in der christlichen Mythologie zu Könige und überbringen dem Kinde sehr symbolträchtige Gaben, die wiederum aus der Antike übernommen wurden.
Gold steht für die Königs-Macht, Weihrauch und Myrrhe gibt Ehre, Myrrhetinkturen galten in der Antike auch als  Heilmittel und Narkotikum. Magdalena, reichte laut Bibelgeschichte, Jesus vor der Kreuzigung einen Myrrewein. Die Gabe des Weihrauches deutet auf Vergeistigung hin. Dem Rauch schrieb man auch apotropäische, das heisst Unheil abwendende Wirkung zu. Hier ist auch der geistige Ort für das Räuchern zu Weihnachten mit Räuchermännchen. aber auch das Ausräuchern von Stall und Haus. Diesen Brauch findet man auch in anderen Kulturen.

Viel Symbolik findet man auch unter den mitgebrachten Gaben der Hirten und des Volkes wieder. Die Magd mit dem Apfelkorb auf dem Kopf ist eine alte mystische Figur, die man schon bei den Ägyptern gefunden hat und symbolisiert die Fruchtbarkeit. Der Hirte mit dem Rebenstock symbolisiert die wundersame Wein-Vermehrung bei der Hochzeit zu Kana und die Fruchtbarkeit der Erde.
Der kleine Junge mit den ausgebreiteten Händen, man nennt ihn Jubelkarl, ist die Jugend und die Lebensfreude, es gibt drei Hirten, sie sind das Alter 20, 40. und 60. Diese Hirten stellte man zur Krippe mit der Bitte die drei Lebensabschnitte zu erreichen. .
Schauen Sie einfach genauer in eine Krippe und sie entdecken diese alten Überlieferungen.


Buchauszüge aus "Weihnachtskrippen" von Karl Mayer u. Gerald Kapfer.